„Das Leben ist schön. Du weißt das, auch wenn du es momentan nicht fühlen kannst.“ – Truthteller Nora von Leben mit Ohne

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Es gab eine Zeit in meinem Leben, da bestand jede meiner wachen Minuten aus Angst. Ich hatte Angst, dass jemand meine Wasserflasche vergiftet hätte. Ich hatte Angst, dass ich auf der Straße zusammenbrechen würde. Ich hatte Angst, dass ich am Morgen nicht mehr aufwachte. Ich hatte tatsächlich jede Minute Angst, dass ich sterben könnte.

 

Es war ein enormer Teufelskreis. Ich bin wie schlafgewandelt durch mein Leben, habe mich vom Bett aufs Sofa geschleppt und den ganzen Tag ferngesehen, um dieses miserable Gefühl loszuwerden. Die Angst war das schlimmste. Aber neben der Angst, war mir auch noch schwindlig. Ich weiß noch genau, wie es begonnen hat: Ich saß mit einem netten jungen Mann in einem Café und plötzlich rollte diese enorme Welle von Angst, Panik und Atemnot über mich und hielt mich so fest im Griff, dass ich für Sekunden tatsächlich nicht mehr atmen konnte, mein Herz sprang über und als es vorbei war, kam der Schwindel. Er begleitete mich den ganzen Tag, er war immer da, ob ich in der Badewanne lag, auf der Straße herumlief oder einfach nur auf meinem Stuhl saß. Es war mir nicht einfach nur schwindlig, viel mehr, hatte ich das Gefühl, dass der Boden schief war. Manchmal schien er einfach neben mir ins Unendliche zu stürzen, mein Stuhl verlor den Halt und ich fiel, obwohl ich doch einfach nur still auf meinem Stuhl sitzen blieb.

 

Die Ärzte schickten mich von Kollege zu Kollege und alle hatten sie nur eine Diagnose für mich: „Alles ist in Ordnung!“ Ein größerer Hohn ist mir in meinem Leben kaum je untergekommen. Denn wie konnte alles in Ordnung sein, wenn ich mich SO fühlte? Sollte DAS jetzt mein Leben sein?

 

Ich konnte in dieser Zeit nur lächeln, wenn ich das Gefühl hatte, dass man dies von mir verlangte.

 

Ich weinte viel und die Verzweiflung hatte sich in meinem Kopf und in meinem Leben eingenistet. Ich versuchte weiter zu machen, ich versuchte, stark zu sein, mich Situationen auszusetzen, die mich eigentlich komplett überforderten. Ich fuhr mit dem Auto 3000km bis nach Südspanien und wieder zurück. Ich wollte funktionieren. Ich wollte diese Angst überwinden. Ich wollte siegen.

 

Doch ich verlor. Nach 8 Monaten hartem Kämpfen, brach ich zusammen und suchte Unterschlupf zu Hause bei meiner Mutter. Die nächsten Tage und Wochen verbrachte ich mit Einatmen und Ausatmen und mit einer inneren Suche nach der eigentlichen Ursache.

 

Jeden Morgen stand ich auf und sah in den Spiegel. Ich sah mir in die Augen und ich sagte zu mir selbst: „Das Leben ist schön. Du weißt das, auch, wenn du es momentan nicht fühlen kannst. Irgendwann wirst du es auch wieder mit deinem Herzen sehen können. Irgendwann.“ Die Hoffnung hat mich in dieser Zeit durch den Tag gebracht, die Angst wurde mein ständiger Begleiter, doch sie erschreckte mich nicht mehr.

 

Es hat mich mehr als eine riesengroße Überwindung gekostet und nur die Hoffnung darauf, dass irgendwann alles wieder gut sein würde hat mich jeden Tag überstehen lassen. Nur die Hoffnung war mein Anker in diesem Sturm, der in mir tobte. Ich begriff nur sehr langsam, dass es tatsächlich ein Kampf war, den ich in mir selbst austrug, ein Kampf gegen mich selbst. Wann war dies geschehen? Wo hatte ich mich verloren? Warum kämpfte ich?

 

Und dann habe ich aufgehört zu kämpfen. Und habe akzeptiert, dass ich nicht mehr kann. Ich habe nicht aufgegeben, sondern innegehalten. Ich habe alle unnötigen Verbindungen gekappt und mich ganz auf mich selbst konzentriert. Ich war still und habe in mich hineingehört, habe versucht herauszufinden, warum es überhaupt etwas zu kämpfen gab.

 

Mir ist in dieser Zeit klargeworden, dass es die Angst nicht zu bekämpfen gilt, vielmehr ist die Angst und alle meine körperlichen Symptome eine große Hilfe, mir bewusst zu machen, wo ich falsch abgebogen bin. Falsch für mich und meinen ganz persönlichen Weg. Ich habe begriffen, dass es tatsächlich überhaupt nicht wichtig ist, was andere sich für mich ausgedacht haben und, dass es auch nicht erstrebenswert ist für mich, einen vorgefertigten Weg zu bestreiten. Einen Weg, der mir in die Wiege gelegt wurde. Den ich einfach nur zu gehen gehabt hätte. In dem alles bereits klar war. Doch dieser Weg klappt nicht für mich. Riesige Steine versperrten mir den Weg, Versuchungen lauerten am Straßenrand, Umwege schienen verlockender und das Ziel war so klar, dass es keine Inspiration mehr liefern konnte. Ohne es zu merken, hatte ich mich auf diesem vorgefertigten Weg, von dem ich dachte, dass er mein Leben sei, in einen Kampf gegen mich selbst begeben. Denn dieser Weg, den man mir in die Wiege gelegt hatte, das war und ist nicht das, was ich tief in meinem Innersten für ein mich erfüllendes Leben halte.

 

 

Zum ersten Mal in meinem Leben beschäftigte ich mich intensiv mit mir selbst, meinen Stärken, meinen Talenten und meinem wahren Ich.

 

Ich nahm das Angebot der mich jede Sekunde begleitenden Angst an, mich mir selbst zu stellen. Einer Tatsache, vor der ich wahrscheinlich am allermeisten Angst hatte. Nämlich festzustellen, dass ich viele Jahre lang falsch gelegen hatte. Vor mir selbst einzugestehen, dass ich eigentlich ganz woanders entlanggehen möchte. Dass mein Leben eben kein vorgefertigter, gerade Weg sein konnte. Und so habe ich mich auf meinen eigenen Weg gemacht, habe meinen inneren Kompass gefunden und ihn auf meine eigenen Visionen eingestellt und folge ihm seitdem mehr oder weniger geradlinig.

 

Diese Entscheidung hat mich herausgeführt aus dem Sturm, herausgeführt aus dem unendlichen Strudel von Schwindel und Angst – hat mich viel näher zu mir selbst gebracht, als ich es jemals für möglich gehalten hatte. Noch immer befinde ich mich ab und zu im Kampf, aber nicht mehr gegen mich selbst, sondern gegen alle jene, die mir lieber ihren Weg aufzwingen möchten. Die besser wissen, was gut für mich ist. Die mich abhalten oder aufhalten möchten. Doch ich gehe weiter, folge meinem eigenen Licht, das mir den Weg zeigt und habe den Schwindel und die Angst als meine stillen Begleiter, die sofort anzeigen, wenn ich von meinem Weg abgekommen bin. Und in meinem Herzen trage ich endlich wieder das tief empfundene Gefühl, dass dieses Leben wirklich wunderschön ist und ein großes Geschenk darstellt.

 

Meine Transformation, die damals in diesen dunkelsten Stunden begann, dauert immer noch an, es ist ein kontinuierliches Zurückkommen zu mir selbst. Ich habe im Nachhinein verstanden, dass man sich manchmal vom Strudel ganz nach unten ziehen lassen muss und, dass es nichts hilft, dagegen zu kämpfen. Wenn man die Angst annimmt und sich einfach nach unten ziehen lässt, dann kann man, unten angekommen, sich mit einer Leichtigkeit aus dem Strudel befreien, die einem vorher niemals in den Sinn gekommen wäre. Denn ganz unten ist der Strudel am schwächsten, ganz unten ist alles ruhig und dort ganz unten ist der Ausgang. Der Ausgang hinaus in ein neues Ich.

 

 

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Über Nora Hodeige:

Truthteller Nora Hodeige – Mrs Globalicious

Nora Hodeige ist 30 Jahre alt und lebt mit Mann und kleinem Sohn in Berlin, sie ist Gesundheitscoach und schreibt auf ihrem Blog Leben mit ohne über Histaminintoleranz und ganzheitliche Gesundheit. Dort versorgt sie euch mit Hintergrundwissen, feinen Rezepten und praktischen Gesundheitstipps, weil sie der Meinung ist, dass jeder seine eigene Gesundheit selbst in die Hand nehmen kann. Dass dies funktionieren kann, dafür ist sie selbst das beste Beispiel. Gerade hat sie ihr erstes Buch über die funktionalen und körperlichen Zusammenhänge von Histamin & Histaminintoleranz geschrieben – weil Wissen und Verstehen die Grundlagen eines gesunden und bewussten Lebens bilden. 

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Gründerin/ Bloggerin / Autorin bei Mrs Globalicious
Doris ist die Autorin und Seele des Mrs Globalicious Online-Magazins. Als Journalistin und Autorin schreibt über ihre Lebenserfahrungen und erlangte Sichtweisen, die sie in verschiedenen Ländern und Lebenssituationen gewonnen hat. Mit ihrem ausgeprägten USA-Faible liebt sie es zu reisen - auch an Orte die nichts mit Burgern und Superbowl zu tun haben. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund wenn es darauf ankommt und beschäftigt sich leidenschaftlich gerne mit den Facetten des Lebens und Problemchen, für die es (nicht immer) eine Lösung gibt.
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Ein Gedanke zu „„Das Leben ist schön. Du weißt das, auch wenn du es momentan nicht fühlen kannst.“ – Truthteller Nora von Leben mit Ohne

  1. So toll geschrieben, liebe Nora und du sprichst mir aus der Seele.
    So habe ich auch empfunden und bin aus diesem Tief wieder heraus gekommen…
    Danke

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