Ich laufe nicht weg – Ich lebe!! – Mrs Globalicious

„Ich laufe nicht weg – ICH LEBE!“

Veröffentlicht am Veröffentlicht in Blog, How she did it, Womens Business
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Neulich saß ich mit ein paar Leuten zusammen und philosophierte über Zukunftspläne und das Leben. Ihr wisst schon, einer dieser Nächte, die man sich gerne mit Freunden und Fremden um die Ohren schlägt, Wein trinkt, isst und es sich einfach gut gehen lässt. Man denkt sich die größten Hirngespinste aus und könnte mit den Energien, die in diesen Nächten entstehen, womöglich die Welt retten. Ich liebe solche Abende. Das tue ich wirklich.

 

Jedenfalls kam irgendwann das Thema Reisen und Zukunftsplanung auf den Tisch. Einige fanden den Gedanken an freies Reisen und Entfaltung super, während andere sich damit nicht wirklich anfreunden konnten. Soweit so gut dachte ich mir, muss ja nicht jedem Gefallen.

 

Diese Person konnte sich nicht vorstellen, die „Zivilisation“ und das allgemein geltende Gesellschaftsbild für eine gewisse Zeit hinter sich zu lassen. Keine feste Wohnung, keinen Job und nur das wilde „herumlungern“ in irgendwelchen Hostels und auf Campingplätzen. „Man würde doch wertvolle Zeit verschwenden, wenn man doch heutzutage die Möglichkeiten habe, Karriere zu machen. Mit 40 braucht man damit nicht mehr anfangen“, waren seine Worte. Geschweige denn, sei es noch schwieriger, ein richtiges Standbein mit Familie und Kindern dann noch aufbauen zu wollen.

 

Der Markt sei dann ja schon abgegrast. Diese Ansicht kann ich auch noch akzeptieren, da es wie gesagt, ja jedem sein Bier ist, ob er sich für den Job und eine Bilderbuchfamilie aufopfern möchte oder nicht. Es ist auch jedem sein Bier, in einem 9 to 5 oder eher gesagt 7 to 8-Job glücklich zu werden. Wenn das so ist – so what.

 

Was mich aber auf die Palme brachte, war folgendes: 

 

Die Diskussionsrunde wurde irgendwann hitziger und die Bemerkung kam auf, dass Leute, wie ich, die ständig nur umziehen und sich ständig und überall auf neue Lebensumstände und Personen einlassen, vor ihrem Leben weglaufen würden und nie lernen würden, sich gewissen Situationen und schwierigen Umständen zu stellen.

 

Ich meine – Hallo? …..

 

Das war der Punkt, an dem sich mein Verständnis ausgeklinkt hatte und ich merkte, wie mein Magen anfing zu grummeln.

 

Die treuen Leser meines Blogs unter euch wissen, dass ich schon des Öfteren umgezogen bin. Ich komme ursprünglich aus der Nähe von Stuttgart und bin mit 21 Jahren von daheim ausgezogen um meine Lehre in München zu machen – allein, und ohne das ich jemanden dort gekannt habe. Drei Jahre später verschlug es mich für kurze Zeit in meine Heimat zurück, bevor ich mich für ein halbes Jahr nach Amerika verabschiedete.

 

Als meine Zeit dort um war, wollte ich eigentlich nicht wieder nach Hause zurück. Ich versuchte alles, um dauerhaft in den USA bleiben zu können, was mir aber leider jobtechnisch verwehrt wurde. Jedenfalls zog es mich kurzerhand drei Wochen nach meiner Ankunft in Deutschland an den Bodensee und circa ein Jahr später komplett in die Schweiz. Ich wanderte also aus und ließ alles hinter mir. Grob umfasst kann man mich also als eine Art Nomade bezeichnen, weil ich es nie lange (Achtung, Definitionssache!) an einem Ort ausgehalten habe.

 

Nun sind zwei Jahre vergangen und ich spiele wieder mit dem Gedanken, etwas Neues zu wagen. Abwechslung in mein Leben zu bringen, da ich mich und meine Zukunft hier in der Schweiz nicht sehe. Ich habe einen Job, der mich vom Grundprinzip glücklich stimmt, verdiene gutes Geld und lebe eigentlich nicht schlecht. Jedoch habe ich nicht das Gefühl, dass es das hier ist. Klar gesagt – der vergleichsweise hohe Lohn macht mir hier auf Dauer auch nicht glücklich.

 

Bin ich deswegen ein Mensch, der vor irgendwas wegläuft? 

Ich habe einfach andere Vorstellungen von meinem Leben, als das was mir vorgezeigt wird. Dieses Mainstreambild von Frauen, die in der Regel mit 28 schon zwei oder drei Kinder haben und mit ihrem Mann in ein schönes Vorstadthäuschen ziehen, ist nichts für mich. Zumindest nicht jetzt.

 

Ohne es zu verurteilen – ich habe Freunde, die haben genau das getan. Früh geheiratet, Kinder bekommen und sie sind glücklich mit dem, was sie haben. Viele davon haben studiert oder die ersten Schritte in der Karriereleiter gemacht, bevor sie für mindestens drei Jahre vom Markt verschwunden sind, weil der Nachwuchs sich angekündigt hat. Aber sie lieben ihr Leben, wie es ist und das freut mich auch für sie – aber es ist im Moment einfach nichts für mich. Ich bin da wohl etwas anders gestrickt. Oder der Prinz auf dem weißen Schimmel ist wohl irgendwo falsch abgebogen … Kann natürlich auch sein.

 

Es gibt Menschen, die auf ihrer ersten Reise Blut geleckt haben und für sich entschieden haben, dass sie die Welt Non-Stop erkunden wollen. Dann gibt es die, die dies begrenzt tun, soweit es ihre Urlaubstage zulassen und es gibt Menschen wie mich, die ihr Leben nach ihrem Bauchgefühl ausrichten, aber dennoch mit Verstand durchs Leben gehen. Sie leben ein paar Jahre hier und verbringen ein paar Jahre dort. Ich bleibe so lange an einem Ort, bis es mir nicht mehr gefällt. Ich gehe einem regelmäßigen Job nach, lerne Leute kennen und verliebe mich.

 

Wenn es dann aus verschiedenen Gründen einfach nicht mehr passt und ich bemerke, dass es mir dort nicht mehr gut geht und ich mich nicht wohlfühle, ziehe ich weiter. Ich muss mich ja nicht unnötig quälen. Ob ich deswegen gleich davonlaufe? Ich sehe es definitiv nicht so. Es wäre ja nur traurig, wenn ich mein Glück nicht selbst in die Hand nehmen und mich stattdessen quälen und mich und mein Leben bemitleiden würde, oder?

 

Zeiten haben sich geändert. Menschen und die Lebensqualität auch. Wo die Menschen früher gar nicht mehr die Möglichkeiten hatten, die Welt in dem Rahmen zu entdecken, wie wir es heute können, können wir uns ja eigentlich nur glücklich schätzen, dass wir von diesem Glück profitieren können. Wenn es wirklich so wäre, dass jeder Reisende vor etwas weglaufen würde, dann stellt Euch mal vor, wie grausam das Leben aller Backpacker und Reisenden im Alltag aussehen würde.

 

Wie siehst Du das? Läuft man Deiner Meinung vor etwas weg und ist nicht fähig, sich Problemen im Alltag zu stellen, wenn man sich dazu entscheidet, ein unabhängiges Leben zu Leben? Vielleicht dafür in Kauf zu nehmen, keine funktionierende Beziehung zu haben und die Familienplanung hinten anzustellen? 

 

 

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Gründerin/ Bloggerin / Autorin bei Mrs Globalicious
Doris ist die Autorin und Seele des Mrs Globalicious Online-Magazins. Als Journalistin und Autorin schreibt über ihre Lebenserfahrungen und erlangte Sichtweisen, die sie in verschiedenen Ländern und Lebenssituationen gewonnen hat. Mit ihrem ausgeprägten USA-Faible liebt sie es zu reisen - auch an Orte die nichts mit Burgern und Superbowl zu tun haben. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund wenn es darauf ankommt und beschäftigt sich leidenschaftlich gerne mit den Facetten des Lebens und Problemchen, für die es (nicht immer) eine Lösung gibt.
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6 Gedanken zu „„Ich laufe nicht weg – ICH LEBE!“

  1. Hallo Doris, ich bin über die facebook’sche Blogger-Lounge auf dich aufmerksam geworden und musste deinen dort verlinkten Beitrag sofort einmal Lesen. Ich kann durchaus verstehen, dass sich dir an einer Stelle eures abendlichen Gespräches der Magen zusammengezogen hat. Vorweg mag ich sagen, dass dein Leben, wie du es hier skizzierst nichts für mich wäre, ebensowenig wie die Vorstellung, dass ich jetzt, mir 32 Lenzen, mein Hauptaugenmerk darauf legen müsste meine 3-10 Kinder zu hüten und durchzufüttern. Jeder sollte sein Leben so leben, wie es für IHN PERSÖNLICH richtig erscheint und es sich gut anfühlt (natürlich im Rahmen von Legalität und Gesetzen, aber das steht hier ja nun gar nicht zur Debatte). Und ebenso sollte es jeder unterlassen zu urteilen über all jene, die sich für einen anderen Weg entschieden haben als den eigenen. Ich finde NICHT, dass du davon läufst und eine solche Unterstellung seitens eines Mitdiskutanten zeugt meiner Meinung nach von Unzufrieden in seinem eigenen Leben, denn: wer mit sich völlig im reinen ist und zufrieden mit dem was er hat, der hat keinerlei Motivation die Lebensumstände eines anderen zu kritisieren oder schlecht zu reden. Ich denke, so wie er sagte DU würdest vor Problemen davonrennen, könnte man IHM ebenso so schlüssig unterstellen, dass er aus Gründen der Faulheit, Gemütlichkeit und Einfachheit gelernt hat mit dem zufrieden zu sein was er hat aus Angst sich neuen Situationen aussetzen zu müssen. Ich finde es toll, dass du deinem Bauch und deinem Herzen folgst, und wenn ich die Worte ZWISCHEN deinen Zeilen richtig deute, bist du auch durchaus bereit irgendwann mal langfristig oder gar endgültig sesshaft zu werden, wenn es sich FÜR DICH ganz persönlich gut und richtig anfühlt. Ich finde das toll und bewundernswert. Mach weiter so 🙂

    1. Da gebe ich dir recht! Jeden sein Leben leben lassen und alles ist tutti. Was für jemanden anderen richtig ist, muss für mich auch nicht richtig sein und andersrum. Ich empfinde es nicht schlimm, wenn jemand mit meinem Lebensstil nicht anfangen kann. Alles was ich mir wünsche ist etwas toleranz 🙂

      Liebe Grüsse,

      Doris

  2. Hi Doris,

    super Thema und schön geschrieben!
    Nur weil man sein Leben nicht im Standard-Alltag verbringt heißt das ja nicht, dass man nicht auch einen Alltag hat und Probleme. Oft arbeitet man sogar intensiver an der Lösung seiner Probleme, als derjenige, der von seiner Couch aus „gute Tipps“ gibt, aber sich selbst nicht traut wirklich etwas zu ändern.

    Lg
    Steffi

  3. Bin gerade über Reiseaufnahmen auf den Artikel gestoßen und wir haben da sehr ähnliche Gedanken dazu geschrieben. Ich lebe ein ähnliches Leben. Zwar bin ich erst sehr spät von Zuhause wirklich ausgezogen – und damit war ich überhaupt nicht glücklich – aber seither habe ich erst ein Jahr in Wien verbracht, kehrte wieder nach Hause zurück, ging dann kurzzeitig nach Florenz, dann wieder nach Wien, schließlich wieder ein paar Monate zuhause, dann ging es nach Niederbayern und jetzt nach einem Jahr weiter nach München… Ich bin also halb-sesshaft, wie Du, lebe an einem Ort, wo es mir gefällt und wo ich Arbeit habe. Wenn ich dann keine Arbeit mehr habe oder es mich weiterzieht – dann ist das so.

    Zum Glück kam in meinem Umfeld noch nie jemand auf die Idee, ich würde weglaufen vor irgendwas. Tu ich das? Ja, vielleicht. Aus Wien bin ich vor den miserablen Jobaussichten weggelaufen. Es wurde halt Zeit zu gehen und Arbeit gab es keine mehr, die mich gebunden hätte.

    Würd mich freuen, wenn Du dir mal meinen Artikel „Warum ich gar kein Digitaler Nomade sein muss“ durchliest und mir deine Gedanken dazu mitteilst. 🙂

    LG, Ilona

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