„Dickes Fell? – Was soll ich denn damit?“

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Karrierefrauen – man sagt ihnen einerseits Selbstsüchtigkeit, Kaltschnäuzigkeit und Egoismus hinterher, andererseits werden sie für ihren Mut, ihre Intelligenz und ihren Ehrgeiz bewundert.

Wer heute als Frau Karriere machen möchte, muss sich warm anziehen und Abstriche machen, da sind sich alle einig. Doch wie hart muss eine Karrierefrau wirklich sein? Und was passiert mit den Frauen, die von Natur aus sehr sensibel gestrickt sind und noch einiges im Sinne des Durchsetzungsvermögens lernen müssen?

Ich habe mit Inken Arntzen über die Eigenschaften, die man als Karrierefrau haben sollte, die Bereitschaft zu scheitern und wie emotional man als Frau mit Business heute noch sein darf, gesprochen. Inken ist selbst Gründerin, Coach, Speakerin und steht dafür ein, dass Menschen das tun, was sie in ihrem Leben wirklich tun wollen. Sie ist Mitgründerin des Superhelden-Trainings und des Netzwerks Digital Media Women sowie Organisatorin der Social Media Week Hamburg. Ihre Superkräfte sind wirkliches Zuhören, die mitreißendste Lache der Welt und die Fähigkeit, Menschen darin zu bestärken, groß zu denken.

 

Inken, die Sehnsucht nach Selbstverwirklichung in Form eines Business ist in vielen Frauenköpfen verankert. Unsicherheit auf vielen Ebenen hält sie aber meist davon ab, den ersten Schritt zu wagen. Was raten die Digital Media Women in diesen Fällen?

Unser Vorschlag ist, sich Austauschpartnerinnen zu suchen, die einen unterstützen und einen geschützten Raum bieten, um sich auszuprobieren.

Wir als Netzwerk bieten die Möglichkeit, diese Unsicherheiten abzulegen. Denn wir sitzen alle in einem Boot und wir geben uns gegenseitig Feedback und unterstützen und empfehlen uns gegenseitig. So gibt es die Möglichkeit, erst einmal den großen Zeh ins Wasser zu halten, bevor man ins Wasser springt. Springen muss jedoch jede selbst – jeder übrigens auch. Unser Netzwerk ist nämlich nicht nur für Frauen.

 

Sind Frauen generell zu schüchtern, wenn es um ihre Karriere geht?

Ich kann nicht für alle Frauen sprechen, beobachte aber, dass immer mehr Frauen ihre Scheu ablegen und für sich selbst einstehen. So werden neue Modelle geschaffen, wie zum Beispiel, sich eine Stelle zu teilen – Tandemploy macht es vor – oder aber ortsunabhängiger zu arbeiten. Zum Glück ist dies eine generelle Bewegung. Auch Männer wollen Familie und Teilzeit, nicht nur die Frauen, wie wir beim Superhelden-Training immer wieder feststellen.

Trotzdem bemerkt man immer noch dieses Understatement bei vielen Frauen. Ich selbst ertappe mich auch oft dabei, meine Erfolge runter zu spielen.

 

Welche Eigenschaften sollte man als Unternehmerin unbedingt besitzen?

Rausgehen und über das, was ich tue, sprechen. Mich verknüpfen, Feedback holen. Mich selbst nicht zu ernst nehmen, aus der Komfortzone kommen und mich immer wieder ausprobieren – und natürlich das Wichtigste: nicht aufzugeben.

 

Wie finde ich denn heraus, ob ein Traum karrieretauglich ist?

Ausprobieren. Es werden immer neue Jobs und Ideen geschaffen. Jedoch nur, wenn ich auch bereit bin, zu „scheitern“. Oder anders gesagt, wenn ich bereit bin, meinen Weg zu verändern, wenn ich merke, dass es so nicht funktioniert. Viele erfolgreiche Geschäftsfrauen und –männer haben schon Erfahrungen darin gesammelt, nicht erfolgreich zu sein. Das gehört zum Leben dazu.

So ist ein Businessplan auch immer nur ein Status, den man regelmäßig anpassen sollte, um geschäftstauglich zu bleiben. Dies ist übrigens auch einer der Gründe, warum manche Unternehmen, die mal erfolgreich waren, es heute nicht mehr sind. Sie sind nicht mit der Zeit gegangen und haben verpasst, ihr Geschäftsfeld anzupassen, weiter zu hinterfragen oder gar neu auszurichten.

 

Wie lerne ich mir das perfekte Mindset anzueignen bzw. mich als Karrierefrau zu behaupten?

Ich denke, es ist wichtig, Karrierefrau zu SEIN und zu handeln, wie eine Karrierefrau handeln würde – oder was man auch immer sein will. Wenn ich also zum Beispiel Sängerin sein möchte, kann ich beginnen, mich selbst als Sängerin zu bezeichnen und alles zu tun, was eine Sängerin tun würde. Singen, Aufnahmen machen, Auftritte suchen und so weiter.

Schön beschreibt dies der Talk von Josselyne Herman-Saccio 

 

Ein dickes Fell zu haben, heißt das, immer klein beizugeben?

Ich bin gegen dickes Fell. Was soll ich denn damit? Nicht mehr berührbar sein? Ich gehe mit den Dingen um, die auf mich zukommen, und finde die beste Lösung für alle Beteiligten. Denn was wir gern vergessen, ist, dass wir ja eigentlich alle im gleichen Boot sitzen.

Häufig nehmen wir Dinge oder das ‚Nein“ eines anderen persönlich. Also, wir fühlen uns irgendwie angegriffen oder nicht verstanden. Meist hat dies jedoch gar nichts mit uns selbst zu tun. Sondern der andere möchte es einfach nur anders machen, aus irgendwelchen persönlichen Gründen.

 

Darf ich als Unternehmerin Fehler machen oder Schwäche zeigen (weinen) ?

Auf jeden Fall. Wir sind alle Menschen, haben Gefühle und sind nicht perfekt. Wichtig ist, damit umzugehen. Das heißt, wenn ich einen Fehler mache, ihn zu korrigieren und nicht zu stolz zu sein. Wenn ich mit meiner Schwäche umgehe, hat das Team die Möglichkeit, damit umzugehen und eine Lösung zu finden. Übergehe ich dies, schade ich dem Unternehmen. Ich glaube, wirkliche Größe ist es, mit den Dingen umzugehen, wie sie sind und wie sie nicht sind.

Zum Thema Weinen: Ich weiß, dass es gerade für Männer teilweise schwer ist, damit umzugehen, wenn eine Frau weint. Dann sollte man, wenn die Situation vorüber ist, noch einmal darüber reden.

 

Schwere Zeiten werden kommen. Wie behalte ich die Euphorie meiner Vision, wenn es mal nicht so läuft?

Ja, es gibt keine Berge ohne Täler. Auch wenn wir manchmal gern immer im Höhenflug bleiben würden. Wenn so ein Tal kommt, ist es wichtig, meine Vision vor Augen zu behalten und mir klar zu machen, dass ich aus Pannen lernen kann und größer aus der Situation heraus komme, als ich hineingegangen bin.

Manchmal kommt an solchen Stellen gern der Satz ‚Ich schmeiß alles hin’. Das ist nur ein innerer Dialog, der einen nicht befähigt. Ich lasse diese Dialoge da sein und mache dann weiter.

 

Kritik ist ein grosser Punkt, dem man als Unternehmerin gewachsen sein muss. Welche Tipps kannst du geben für den perfekten Umgang damit?

Es gibt mindestens zwei Gesichtspunkte bei Kritik. Der eine ist: Von wo kommt die Kritik, ist es vielleicht eine Sorge des anderen, die mit mir nichts zu tun hat? Der andere ist: Wie nehme ich die Kritik? Kann ich etwas für mich daraus ziehen, kann ich etwas lernen?

Kritik oder auch Tipps sind immer gut gemeint, auch wenn sie uns häufig nicht so vorkommen.

Interessant ist auch, was es mit mir macht. Fühle ich mich ertappt oder angegriffen? Dann ist an der Kritik was dran. Bin ich fein damit und kann dazu stehen oder habe mir das reiflich überlegt, dann kann ich es vielleicht einfach so stehen lassen und mich einfach nur für die Anregungen bedanken.

 

Wie beeinflusst meine Körpersprache den Erfolg?

Die Zeiten des Internets beweisen es: auch Introvertierte können erfolgreich sein. Sogar mit schauspielerischer Leistung zum Beispiel bei Youtube-Videos oder Ähnlichem. So glaube ich nicht, dass man besonders outgoing sein muss, um erfolgreich zu sein.

Und natürlich kann ich meine Körpersprache und meine Sicherheit auf Bühnen oder in Interviews üben und verbessern. Ich zum Beispiel habe Trainings bei der Women Speaker Foundation gemacht oder auch einfach jede Möglichkeit zu üben oder ein Interview zu geben genutzt. Inzwischen bin ich schon ein recht routinierter Hase. Ich habe Interviews in der Tagesschau, beim SWR oder auch im Radio gegeben und bin mit der Zeit immer klarer geworden darin. Was übrigens nicht heißt, dass ich nicht aufgeregt bin. Ich finde ja ein bisschen Lampenfieber auch ganz schön. Ich fühle mich dann so lebendig.

 

 

Infos zu den Digital Media Women:

Die Digital Media Women (#DMW) sind ein in Hamburg gegründetes Berufsnetzwerk für die Digitalbranche mit Quartieren in Berlin, Köln, München und der Region Rhein-Main in Form eines gemeinnützigen Vereins. Wir arbeiten im und mit dem Netz: als Social Media Managerinnen, Web- und Grafikdesignerinnen, Online-Journalistinnen, Bloggerinnen, 

Programmiererinnen und in vielen anderen Feldern des World Wide Web. Unsere Arbeitsfelder sind oft Männerdomänen – doch wir wollen die Situation von Frauen in unseren Berufen verbessern und unsere Expertise unter Beweis stellen.

Die #DMW wollen Frauen in der Digitalbranche sichtbarer machen. Intensives Netzwerken ist ein wichtiger Teil des Weges dorthin: Unsere Mitglieder an allen Standorten treffen sich regelmäßig, um gemeinsam berufliche Projekte voranzutreiben, neuen Input zu erfahren, einander Tipps und Empfehlungen zu geben oder einfach nur zum gemütlichen Austausch unter Gleichgesinnten. Außerdem informieren wir über wichtige und interessante Themen auf unserer Website und in anderen Social Communities wie Facebook, Twitter, Tumblr und Pinterest. Ein wichtiges Ziel der #DMW ist, mehr Frauen auf die Podien der männerdominierten Konferenzwelt zu bringen.

Die Digital Media Women im Netz: http://www.digitalmediawomen.de/

 

 

 

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Gründerin/ Bloggerin / Autorin bei Mrs Globalicious
Doris ist die Autorin und Seele des Mrs Globalicious Online-Magazins. Als Journalistin und Autorin schreibt über ihre Lebenserfahrungen und erlangte Sichtweisen, die sie in verschiedenen Ländern und Lebenssituationen gewonnen hat. Mit ihrem ausgeprägten USA-Faible liebt sie es zu reisen - auch an Orte die nichts mit Burgern und Superbowl zu tun haben. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund wenn es darauf ankommt und beschäftigt sich leidenschaftlich gerne mit den Facetten des Lebens und Problemchen, für die es (nicht immer) eine Lösung gibt.
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2 Gedanken zu „„Dickes Fell? – Was soll ich denn damit?“

  1. Gerade die Sache mit dem Scheitern ist doch immernoch ein weit verbreitetes Problem. Übrigens nicht nur bei Frauen. Als Kinder haben wir die Schritte auch gewagt – und sind mindestens hundert Male hingefallen. Trotzdem haben wir weiter versucht, was immer wir erleben oder erreichen wollten.
    Genau so sollte das auch im Berufsleben und vor allem in der Selbständigkeit sein. Wen interessiert es schon, was irgendjemand von mir denkt, wenn ich meinem Herzen folge? Dass es auch Mal nicht klappt gehört zum Leben nun einmal dazu, da heißt es dann aufstehen und weiter machen. Insgesamt habe ich das Gefühl dass immer mehr Frauen zu sich stehen und sich etwas trauen und das finde ich ganz toll, also weiter so!

    Alles Liebe
    Tina

  2. Ein sehr schöner Beitrag! Insbesondere die Statements zum Mindset und zur Kritik haben mir gefallen.

    Diesen Glaubenssatz „erstmal kleinere Brötchen backen“ z. B. höre ich viel häufiger von Frauen, als Männern. Aus der positiven Psychologie wissen wir, dass wir das sind, was wir von uns glauben. Es ist also weit mehr, als ein gut gemeinter Ratschlag, wenn es hier heißt: Wer Sängerin sein will, soll singen und auftreten. Tolles Beispiel, in dem so viel steckt.
    Wenn Kritik ein heißes Eisen ist, dann hilft für einen guten Umgang damit zudem: nachfragen und beschreiben, wie man sie verstanden hat. Viel zu oft entstehen Missverständnisse, die damit zu tun haben, dass wir Botschaften anders hören, als sie gemeint sind. Auch das ist eine Form des Outgoing – denn jedes Mal geben wir einen kleinen Einblick in unsere Persönlichkeit. Genau das allerdings zeigt uns in unserer Einzigartigkeit, schärft unser Profil und macht uns m. E. für Andere interessant, echt und bemerkenswert.

    Danke für dieses lesenswerte Interview!

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